GeBruederOnkel: Zurückhaltend kreativ


Kuhschnappler Künstlerduo auf dem Weg nach oben

Sie heißen mit bürgerlichem Namen Marcel und Robby Oertel, sind Zwillinge und hören in der Kunstszene auf den Namen GeBruederOnkel. Der eine beschäftigt sich mit der Malerei (Robby) und der andere widmet sich Plastiken und Skulpturen (Marcel).
Wir freuen uns, dass sie sich für ein Galeriegespräch Zeit genommen und einen Einblick in die kreative Phase im Meeraner Atelier gegeben haben. So selbstverständlich ist das (noch) nicht, denn beide umschreiben sich eher zurückhaltend – wohl wissend, dass auch im Kunstbereich das „Klappern zum Handwerk“ gehört. Und doch versprühen sie im Gespräch künstlerisches Herzblut, berichten über ihre Anfänge, Zweifel, Hürden und natürlich Freuden, die sie immer wieder als Zwillingsteam erleben und schwärmen für ihre Vorbilder Jonathan Meese, Gerhard Richter und Jean-Michel Basquiat.

++ Wie seid ihr eigentlich zu eurem Künstlernamen gekommen?

Marcel: Ganz einfach, als unser großer Bruder zweifacher Vater geworden ist, waren wir ja mit einem Schlag Onkel und so kam dann dieser Name zustande, den wir sofort als Künstlername verwendeten.

++ War das für euch zwei schon immer klar, gemeinsam einen künstlerischen Weg einzuschlagen?

Robby: Ich habe schon immer gern gezeichnet. Aber Mitte der Neunziger Jahre bin ich in einer Zeitschrift auf eine Dokumentation über Jean-Michel Basquiat gestolpert. Er ist durch seine unproportionierten Gesichter berühmt geworden und seine Werke haben mich so fasziniert, dass ich mich näher mit Kunst beschäftigte. Mittlerweile probiere ich mich auch im fotorealistischen Malen, komme aber doch immer wieder zum Abstrakten. Ich mag es eben auch Köpfe zu malen. Und das Schöne an der Kunst ist ja, dass es so viele Möglichkeiten gibt, diese auszudrücken, zu interpretieren.

Marcel: Bei mir ist es durch die Arbeit mit Edelstahl gekommen – auch eher zufällig. Durch eine Fehlarbeit eines Azubis hatte ich die Möglichkeit, den missratenen Gegenstand umzugestalten. Also bearbeitete ich das Stück mit der Flex. Das Ergebnis war ein Aschenbecher. Klingt unspektakulär und war es zu Beginn für mich auch. Doch als Freunde das Teil sahen, fanden sie es toll und so habe ich weiter experimentiert und festgestellt, dass ich das Erschaffen von Skulpturen sehr mag.

++ Vom künstlerischen Schaffen im stillen Kämmerlein zum Sprung in die Öffentlichkeit vergingen noch Jahre. Wann habt ihr den Schritt gewagt oder was war der Auslöser?

Robby: Wir waren durch unser gemeinsames Fotoprojekt „Urban Exploring“ immer auf der Suche nach verfallenen Gebäuden und haben die „Lost Places“ hier in der Region fotografiert. So sind wir auch in alten Industriebrachen mit der Taschenlampe unterwegs gewesen, u.a. in dem Gebäude an der Waldenburger Straße in Meerane, wo kurz zuvor die IBUg stattgefunden hatte. Wir waren einfach nur fasziniert von der für uns perfekten Harmonie an Malerei und Installation. So was wollten wir auch machen.

++ Und ihr kanntet ja sogar Leute aus der IBUg-Szene, um dort mitzumischen!

Robby: Stimmt, aber wir haben uns Anfangs nicht getraut, zu fragen. Die IBUg war schon was Besonderes, ein internationales Künstlertreffen mit namhaften Künstlern. Wir fühlten uns da irgendwie noch wie Grünschnäbel.

++ Aber ihr habt euch dann doch getraut. Wie war die Reaktion?

Marcel: Zu unserer Freude, bekamen wir zur nächsten IBUg die Möglichkeit eine Installation beizutragen. Wir hatten wahnsinnig viele Ideen. Doch Altmeister TASSO holte uns erstmal aus der Insel der Glückseligkeit zurück, als er uns den dezenten Hinweis gab, nicht in einen Hausfrauenstil zu verfallen. Wir sind um die Kritik dankbar, denn bei unserem zweiten Versuch klappte es schon wesentlich besser und unser Kunstwerk fand erstmals Eingang in die Presse. Die IBUg war für uns also der Meilenstein, um in die Öffentlichkeit zu treten.

++ Die IBUg hat für euch also eine Schlüsselrolle gespielt?!

Robby: Die Ibug sehen wir auch als Motivation und Inspiration. Dort haben wir viel gelernt. Verschiedenste Malstile und Künstler weltweit kennengelernt, den Umgang mit Presse und TV, das Reden vor Publikum und Annehmen von Kritik. Denn das gehört ja auch mit dazu.

Marcel: Da geht auch noch ein ein Dank an Thomas Dietze (www.facebook.com/thomas.dietze.16), welcher sich um die Organisation des Festivals kümmert und der auch schon immer an uns glaubte und es uns mittlerweile zum 7. Mal ermöglicht hat bei der Industriebrachenumgestaltung dabei zu sein.

++ Seit Anfang dieses Jahres steht ihr mit eurer Kunst auf eigenen Füßen. Immerhin hattet ihr gut bezahlte Jobs?!

Marcel: Wir haben schon eine gewisse Sicherheit aufgegeben. Leicht ist es uns nicht gefallen, denn gerade in Deutschland ist das Sicherheitsdenken groß und geht an Künstlern nicht spurlos vorüber. Künstlerkollegen hatten uns auch längst angeraten, den Sprung zu wagen. Denn das permanente Wechseln zwischen Dreischichtsystem und kreativer Phase war eine Gratwanderung und machte uns auch nicht wirklich glücklich. Letztlich nahm uns die Insolvenz unseres Arbeitgebers die Entscheidung ab, so dass wir uns jetzt zu Hundertprozent auf unsere Kunst konzentrieren können.

++ Nehmt ihr auch künstlerische Aufträge an?

Robby: Wir nehmen gern Aufträge an. Zusätzlich zur Malerei auch Installationen, z.B. auf Musikfestivals, sowie Skulpturen, Plastiken und Industriedesign bis hin zu individuellen Möbelstücken. Im kommenden Jahr haben wir gewissermaßen Premiere in Glauchau-City, denn da soll erstmals eine von uns entworfene Skulptur im öffentlichen Raum aufgestellt werden.

++ Klingt interessant. Erzählt doch mal paar Details zu dem Pilotprojekt in Glauchau.

Marcel: Der starke Orkan dieses Jahr hatte für ziemlich viel Schwund unter Glauchaus Bäumen gesorgt und so fristeten etliche ein unbekanntes Dasein. Auf Anfrage bei der Stadtverwaltung, bekamen wir grünes Licht, einen Baum in unsere Obhut zu nehmen. Derzeit überwintert er und wird im Frühjahr eine völlig neue Form annehmen. Ideen für die Gestaltung sind genügend vorhanden. Glauchau darf also gespannt sein.

++ Was haltet ihr denn von der lokalen Kunstszene?

Robby: Die ist gut aufgestellt, nur leider oftmals noch zu wenig in Galerien vertreten. Es erweckt doch immer den Eindruck, dass die alten Hasen, da meist eher bedacht werden, als die Newcomer. Dennoch wissen wir, wo unsere Wurzeln sind und das wir Meerane viel zu verdanken haben. Wir sind hier in der Kunstszene dabei und wir haben das Empfinden, dass der Bürgermeister sich auch für Kunst interessiert und da Einiges möglich macht – wie beispielsweise die IBUg. Einst war sie ein Geheimtipp und jetzt reißen sich die Städte drum und wir haben da unsere ersten Schritte gemacht. Das bleibt in Erinnerung.

++ Ihr helft und unterstützt euch in der Kunstszene also gegenseitig?

Robby: Auf jeden Fall, deshalb möchten wir an dieser Stelle Tasso sehr gern danken. Denn er fragte mich damals – als ich mit ihm zur IBUg in Meerane auf dem Bürgersteig sitzend andere Künstler beobachtet habe, wie die gerade eine riesige Fassade malten – ob wir nicht Bock auf ein Atelier hätten. Das war schon lange ein großer Traum, um endlich frei arbeiten zu können. Und wir hatten dadurch viel Platz und Licht, also perfekt um sich auszulassen.
Zudem gibt er uns gute Tipps für das Künstlerdasein, Einladungen zu Kunstevents, Veranstaltungen, Vernissagen, Ausstellungen und auch mal den nötigen Tritt in den Hintern, sich was zu trauen. Ich sehe ihn auch als Vorbild in der fotorealistischen Kunst und konnte ihm schon das ein oder andere Mal dabei über die Schulter schauen.

++ Da ist ja euer erstes Jahr schon ganz gut angelaufen. Was für Wünsche oder Visionen habt ihr für die Zukunft?

Marcel: Die Schiene in Richtung Industriedesign noch weiter auszubauen und natürlich das Pilotprojekt im Frühjahr zu starten und was auch toll wäre, einmal bei euch in der Galerie Meerane auszustellen.

++ Dann wünschen wir euch viel Erfolg für eurer kommendes künstlerisches Jahr und bedanken uns für das Gespräch.

[https://www.facebook.com/GalerieMeerane/posts/671596592980375]

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