Rayk Amelang: „Es langweilte mich!“ Die interessante Suche nach dem eigenen Stil

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Foto: Bernhard Flohr

Rayk Amelang – kein Künstlername dafür aber Künstler mit Leib und Seele und das, obwohl er noch nicht davon leben kann. Wie schafft er es dennoch, seiner Liebe – die Kunst – die nötige Aufmerksamkeit zu schenken und regelmäßig Ausstellungen auf die Beine zu stellen?
Wir haben uns mit dem Regensburger Künstler – welcher kürzlich in Passau ausstellte – unterhalten. Denn der gebürtige Dessauer war einst auch mit regionalen Graffitikünstlern unterwegs.

+++ Wie bist du zur Kunst gekommen und wann hast du deine künstlerische Ader entdeckt?

Das geht in die Neunziger Jahre zurück. 1996 habe ich mit Graffiti begonnen und durch meine damalige Freundin mit dem Zeichnen angefangen. Das kam also quasi schleichend, weil wir gemeinsam unserem künstlerischen Hobby nachgingen. Und irgendwie habe ich festgestellt, dass mir das richtig Spaß macht. Seitdem steht das Malen im Vordergrund. Dennoch denke ich auch gern an meine ersten Graffitischritte zurück.

+++ Was war da so besonders?

1997 war ich auf einer großen JAM in Halle und bin dort erstmals mit TASSO in Kontakt gekommen. Dabei haben wir ziemlich schnell gemerkt, dass wir gemeinsame Interessen haben und gründeten die Crew DSA. Doch ich verlor irgendwann das Interesse am Graffiti und da ich der Typ bin, entweder mach ich etwas ganz oder gar nicht, entschied ich mich, einen anderen Weg einzuschlagen.

+++ Du bist also auf Umwegen zu deinem jetzigen Stil gekommen?!

Genau. Wie eingangs erwähnt, war mein Herz mehr bei der Malerei. Doch auch da experimentierte ich bis ich meine Richtung gefunden hatte.

+++ Du warst also auch auf der Suche nach (d)einem Stil?

Absolut. In der Vergangenheit wurde mir beim Malen schnell langweilig. Nach dem ich einen Stil eine Weile benutzt habe, wusste ich bereits im Voraus, wie sich ein Bild malen wird. Ich wusste bereits vorher, welche Handgriffe ich zu tun habe. Es langweilte mich!
Bei meinem jetzigen Stil, mische ich nicht nur die Vorlagen, sondern auch die malerischen Stile. Die Bilder sind so komplex geworden, das ich sie nicht mehr so einfach im Kopf fertig malen kann. Wenn es doch mal vorkommen sollte, dann ändere ich die Stellen. Ich eliminiere einen Teil und ersetze ihn durch einen anderen oder durch eine abstrakte Fläche. Ich habe viel mehr Spaß an dem was ich tue.

+++ Und jetzt ist es also anders?

Ja. Ich arbeite nicht mehr nach einem Thema und fühle mich dadurch freier und habe viel mehr Spaß daran, was ja wiederum zu mehr Kreativität führt. Ich kann jetzt also sagen, dass ich seit 2013 an meinen Stil arbeite und versuche ihn voran zu treiben.

+++ Wie?

Wir alle sind ständig von Medien, Werbung und Einflüssen umgeben. Während wir Fernsehen schauen, schauen wir parallel im Internet oder blättern Zeitschriften durch. Wir laufen durch die Straße und werden von Werbetafeln, Schaufenstern und beschrifteten Autos beeinflusst. Im Auto hören wir zusätzlich Radio.

Mir fiel auf, das ich oft diverse Sachen durcheinander gebracht habe. Begebenheiten aus meinem Leben mischten sich mit Sachen, die ich im im Fernsehen sah. Realität mischt sich mit Fiktion. Dadurch kam ich auf die Idee, auch meine Arbeiten zu mischen. Fotos von mir mischen sich mit Fundstücken aus dem Internet, Comics oder Spielzeug. Welcher Teil ist Real und welcher ist Fiktion?

+++ Wie würdest du jetzt also deine Kunstart beschreiben?

Ich mag Kunst nicht gerne kategorisieren, weil da ja auch Emotionen eine Rolle spielen und jeder Mensch Kunstwerke auch anders interpretiert. Wenn ich es jetzt umschreiben soll, dann so: Ich mixe Fotorealismus mit Comic und lasse einen Hauch von Streetart einfließen.

+++ Du lässt also deine Werke lieber interpretieren und dich vielleicht sogar überraschen, was andere in deiner Kunst sehen?

Ich habe sogar meinen Spaß daran, zu sehen, welche Gedankengänge bei Außenstehenden geweckt werden. Ich mag Bilder nicht, die man gewissermaßen sofort erkennt und bin stets gespannt und manchmal auch erstaunt, was Laudatoren über meine Werke berichten. Für mich ist das Freude am Bild. Ich selber habe Spaß daran und möchte das gern weitergeben.

+++ Da schließt sich eine Frage zwingend an. Ich habe bei einigen Bildern von dir gesehen, dass diese „ohne Titel“ sind…wie wichtig sind Titel für deine Werke?

Da habe ich auch eine Änderung in meinem persönlichen Denken vollzogen. Vor Jahren fand ich es unerhört, wenn ein Kunstwerk „ohne Titel“ benannt war. Heute sehe ich das anders und viel entspannter. Ich zwinge weder mir noch anderen auf Krampf etwas auf. Entweder, der Titel ist in meinem Kopf da und gehört für mich dazu oder das Kunstwerk bekommt einfach ein o.T. Das wiederum lässt noch viel mehr Interpretationsspielraum.

+++ Weil wir gerade über Veränderungen sprechen: Du bist ja der Arbeit wegen von Dessau nach Regensburg gezogen. Hat sich da deine künstlerische Sichtweise verändert?

Nein. Es spielt keine Rolle, wo man seine Kunst auslebt oder macht, da ich aber noch ein kleines Stück DDR miterlebt habe, lasse ich das schon in einigen Collagen einfließen. So arbeite ich gern mit Ausschnitten aus dem Mosaik-Comic. Das gehört für mich einfach dazu.

+++ Kunst ist für dich also sehr wichtig?

Kunst ist für mich alles. Kunst ist mein Leben. Ich denke ständig darüber nach und bin immer am Denken. Manchmal ist es Segen und Fluch zugleich und wenn einmal eine Idee geboren ist, bleibt sie in meinem Kopf.

+++ Wie lange brauchst du da für ein Kunstwerk?

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Bilder die ich an einem Tag fertig stelle und andere dauern Monate. Manchmal sind es dann auch nur einzelne Details die sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

+++ Apropos Zeit: Du machst das also Hauptberuflich?

Nein. Ich kann von meiner Kunst (noch) nicht leben. Aber weil mir die Kunst soviel bedeutet, habe ich meinen Job danach ausgerichtet. Dadurch kann ich viel Zeit in meinem Atelier verbringen und an Ausstellungen teilnehmen.

+++ Ausstellungen spielen also eine wichtige Rolle für dich?

Sogar eine sehr wichtige Rolle, denn ich male ja nicht nur für mich selbst, sondern möchte meine Kunst mit anderen teilen.

+++ Von Hamburg bis München hast du bereits zahlreiche Ausstellungen gehabt und sogar in Kroatien und Italien. Doch in unserer Region noch gar nicht. Ist die Provinz nicht attraktiv genug?

Im Gegenteil. Ich bin gerade der Meinung, dass Galerien in kleine Städte gehören und dort sehr wichtig sind. Bei mir hat es sich bisher einfach noch nicht ergeben. Ich habe mich jedenfalls für eure Galerie beworben.

+++ Wie du sicher mitbekommen hast, hat sich am Rande unserer Galerie ein kleines Künstlertreffen gebildet. Gibt es so etwas auch in deiner Gegend?

Ja, aber es klappt eher selten, dass wir alle zusammenfinden, dennoch planen wir jährlich Projekte, die wir dann auch gemeinsam umsetzen.

Hier geht´s zur Seite des Künstlers

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