TaskOne: „Konstruktive Kritik ist heutzutage von unschätzbarem Wert“

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Auf Umwegen zum gefragten Künstler

Wie bereits angekündigt, stellen wir euch heute einen der über 120 IBUg-Künstler vor, denn auch wenn das Festival von internationalem Rang ist, gibt es Graffiti- und Streetartkünstler aus unserer Region, welche mit den Großen mithalten können – einer davon ist Rico Gruner, alias TaskOne.

Dazu trafen wir uns mit ihm direkt auf dem diesjährigen IBUg-Gelände – VEB Buntfärberei Limbach-Oberfrohna – und während wir die alte Brache staunend erkundeten, berichtete der Zwickauer Künstler über sein spannendes Leben. Dabei war sein Start turbulent. Blicken wir kurz über 20 Jahre zurück…

++++ Rico, alias TaskOne, wie bist du auf deinen Künstlernamen gekommen und ab wann hast du deine ersten Schritte in der Graffitiszene gemacht?

Meinen Namen hab ich nach ein paar ersten Versuchen mit anderen Buchstaben von einem anderen Maler abgeleitet. Dieser hatte einen Buchstaben mehr in seinem Tag und den hab ich weg gelassen und das ONE also 1 hinzugefügt. Denn mit meinen naiven 14 Jahren dachte ich, ich bin der einzige TASK; mittlerweile kenne ich noch zwei andere im Ausland die diesen Namen malen, aber ich denke wir unterscheiden uns stark in Form und Technik. Und aktiv bin ich seit April 1994 mit Graffiti unterwegs.

++++ Interessant, dass du den Zeitpunkt genau benennen kannst?!

Der Grund ist eher unrühmlich, da ich zu dieser Zeit illegal mit der Spraydose unterwegs war, denn da hab ich mein erstes – leider nicht an erlaubter Fläche – Bild gesprayt.

++++ Mittlerweile bist du ja als Künstler selbstständig und verdienst damit auf legalem Wege deine Brötchen. Magst du uns dennoch ein wenig über deine turbulenten Jahre verraten?

Klar, kann ich darüber berichten. Ich nutze sogar die Erfahrungen, wenn ich Jugendlichen in meinen Workshops Tipps zur Graffitikunst gebe. In meinen Vorträgen zur Entstehung der HipHop- und Graffitikultur geht es schließlich auch um Aufklärung und Prävention. Denn die jungen Leute müssen ja nicht dieselben Fehler machen, wie ich damals.

++++ Was für Fehler waren das?

Ich habe Züge bemalt und fand damals nichts Schlimmes daran und als ich dann meine gerechte Strafe dafür bekam, dachte ich immer: „Ich habe doch nur gemalt!“ Damals kapierte ich das nicht, das so was – gelinde gesagt – Mist ist und die Szene dadurch auch in ein negatives Licht gerückt wird. Denn Graffiti ist eine großartige Kunst.

++++ Was hat zu deinem Umdenken geführt?

Ich wollte einfach nur malen und nicht ständig auf der Flucht sein müssen und für die Graffitikunst gewissermaßen öffentlich gerade stehen und mit anderen legale gemeinsame Sachen machen. Schließlich ist die Kunst mein Leben und für mein Leben wollte ich Verantwortung übernehmen.

++++ Das ist dir ja auch geglückt. Wie bist du dabei vorgegangen?

Ich habe nach legalen Flächen gefragt. Das war 2005. Habe mich dort ausgetobt und Schrittweise den Weg in die Selbstständigkeit im Blick gehabt. Und durch die legalen Bilder wurden auch erste Auftraggeber auf mich aufmerksam. Ein tolles Gefühl, auf diese Weise Anerkennung für die Kunst zu bekommen. So wagte ich dann 2010 den Sprung zum freischaffenden Künstler.

++++ Seitdem machst du dich auch für heranwachsende Künstler stark, leitest die Kunstplantage Zwickau, wo du jeden Mittwoch Workshops gibst und bist zudem Dozent an der Humboldtschule in Zwickau. Man kann sagen, dein Unternehmen läuft?

Ja und dafür bin ich sehr dankbar, das ich diese Chance bekommen habe. Deshalb ist die Kunstplantage auch ein Herzensprojekt von mir. Dort haben nämlich die jungen Sprayer bereits legale Flächen, können sich nicht nur kreativ austoben sondern erhalten auch noch in den Workshops genügend Wissen für ein künstlerischen Weiterkommen.

++++ Du gibst ja sogar Workshops in Kindergärten, nicht wahr?

Stimmt. Das ist Herausforderung und Freude zugleich. Die ganz Kleinen zu beobachten, wie sie mit den Minispraydosen für Kinder erste Malversuche unternehmen, ist schon faszinierend. Dabei landen die Kunstwerke auch sehr oft auf den Kleidungsstücken des Nachbarkindes. Doch diese Begeisterung, wie sie voll bei der Sache sind, bereitet mir Zufriedenheit. Schließlich sollte das Heranführen an die Kunst schon in jüngsten Jahren beginnen.

++++ Du gerätst nicht nur bei deiner pädagogischen Arbeit ins Schwärmen, sondern auch, wenn der Name IBUg fällt. Wieso?

Oh ja. So ist es. 2013 wurde ich nämlich das erste Mal gefragt, ob ich bei diesem Festival für urbane Kunst teilnehmen möchte. Vorher war ich immer nur Gast und jetzt bin ich Mittendrin. Darauf bin ich wirklich sehr stolz, denn jedes Jahr erwartet man mit Spannung, ob es erneut eine Zusage geben wird.

++++ Was ist denn das Besondere daran?

Es ist ein internationales Künstlertreffen von über einer Woche und man ist sozusagen rund um die Uhr mit Gleichgesinnten kreativen Köpfen zusammen. Das gibt so unwahrscheinlich viel Input, das ist schwer in Worte zu fassen. Schließlich bringt jeder Künstler seine eigene Geschichte und Kultur mit; und die jedes Jahr neue ausgewählte Industriebrache wird damit zu einem Schmelztiegel der Kulturen. Zudem arbeitet man zwar an seinem eigenen Kunstwerk im IBUg-Gelände aber man versucht mit allen Künstlern die Industriebrache in ein Gesamtkunstwerk zu verwandeln. Das Gelände wird also entsprechend seiner früheren Nutzung mit Graffiti und Installationen „bestückt“.

++++ Über Kunst lässt sich ja bekanntlich (nicht) streiten. Woher holst du dir Feedback? Tauschst du dich mit anderen aus oder gibt es da Mentoren, die für dich wichtig sind?

Ja. Der Austausch ist wichtig, gerade in der Kunst, denn da ist es essenziell, sich zum einen im Stil treu zu bleiben aber dennoch auch den Wünschen der Auftraggeber gerecht zu werden. Manche sprechen da von einem schwierigen Spagat. Ich finde das überhaupt nicht, denn für mich gibt es genügend Möglichkeiten, meiner Linie treu zu bleiben und die Kundschaft dennoch glücklich zu machen.
Ein hohe Meinung habe ich da auch von TASSO. Da hole ich mir gern Feedback, denn bei ihm gibt es klare Worte. Denn nur konstruktive Kritik bringt einem als Künstler auch weiter.

++++ Wenn du nicht gerade dozierst und Workshops gibst, was steht da aktuell an?

Ich versuche trotz der Aufträge einen Style pro Woche zu malen, da habe ich eine öffentliche und legale (logisch!) Fläche an der ich mich regelmäßig austobe. Zudem arbeite ich momentan gern mit den Stoffen Bitumen und Gold. Außerdem habe ich Dank der Unterstützung meiner Frau Philine auch zu Hause ein kleines Atelier. Wann immer mir eine Idee kommt, ziehe ich mich dahin zurück und mache Notizen in mein Skizzen- bzw. Ideenbuch.

++++ Apropos Frau, welche Rolle spielt sie bei deinen künstlerischen Schaffen?

Eine absolut wichtige Rolle! Sie unterstützt mich da ohne Vorbehalte und wird mich auch in diesem Jahr wieder zur IBUg begleiten. Dabei ist sie auch selber kreativ beteiligt. Man kann das auch nicht genug betonen, wie wichtig und schön es ist, wenn der Partner die eigene Leidenschaft teilt. Sie ist meine Muse ich habe viele Portraits und Akte von ihr gemalt und manchmal taucht sie auch figurativ in anderen Bildern auf. Meine Styles signiere ich ja auch immer mit P+A (also Philine+Arison) und neuerdings „+1“.

++++ Euer Steppke kann da allerdings nicht mit. Wie regelt ihr da die Kinderbetreuung?

Das machen die beherzten Großeltern. Sie freuen sich, wenn sie den kleinen mal für eine Woche rundherum betreuen können und der kleine freut sich, von den Großeltern das volle Verwöhnprogramm zu bekommen.

++++ Eine Frage noch zum Schluss: Können dich auch Privatkunden und Firmen für Aufträge buchen?

Sehr gern sogar. Man kann mich über www.facebook.com/GrunerART oder http://gruner-art.jimdo.com kontaktieren.

++++ TaskOne, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen dir eine kreative Zeit und viel Freude zur IBUg im August.

 

 

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