Fabian BANE Florin: „Nur Schritt für Schritt kommt man einen Berg hoch“ Schweizer Graffitistar auf Stippvisite in der sächsischen Provinz

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Waaaas, BANE kommt nach Meerane? Der BANE, welcher in der Schweiz als der Rockstar unter den Graffiti- und Streetartkünstlern gehandelt wird? Ja, genau der – Fabian Florin. Was liegt da näher als dem Künstler ein paar Antworten zu seiner erfolgreichen Graffiti-Laufbahn zu entlocken, denn auf seiner Durchreise durch die sächsische Provinz, zusammen mit seinem Kollegen PEST, traf er sich mit den Streetartkünstlern Zwerg, Rico Taskone Gruner, Farbgefühl, GeBruederOnkel und Costwo um passend zu seinem Projekt die von TASSO zur Verfügung gestellte Wand neben der Karl-Heinz Freiberger Sporthalle in Meerane zum Thema „Justizia macht grad mal Pause“ neu zu gestalten. Was verschlug ihn aber tatsächlich hier her? Lassen wir ihn selbst berichten…

Bevor du uns etwas über dein „Tschernobyl-Projekt“ berichtest, erzähle uns doch ein wenig zu deiner Person?

Ich bin 1982 in der Schweiz geboren, habe mit 13 meine ersten Backspins gesprüht und war ein absoluter Fan von TASSO und Ma‘Claim. Alles, was irgendwo in Szenezeitschriften darüber zu lesen war, habe ich regelrecht verschlungen.

Doch trotz deiner enthusiastischen Anfänge, hast du dann viele Jahre nicht wenig bzw. gar nicht mehr gesprüht. Warum?

Nennen wir es deutlich beim Namen, ich bin abgerutscht. Zum einen hatte ich illegal gesprüht und zum anderen irgendwann mit Drogen angefangen und habe es einfach nicht geschafft davon loszukommen. Da mich die Sucht so stark im Griff hatte, kreisten meine Gedanken nur noch darum. Da war kein Platz mehr für Kreativität in meinem Kopf. Ich war fertig und am Boden.

Aber jetzt bist du ja dick im Geschäft und seit 6 Jahren selbstständig und weg von den Drogen. Was war da der Wendepunkt in deinem Leben?

Aufgrund meines unrühmlichen Lebens im Sumpf war natürlich der Weg zu einer Gefängnisstrafe nicht weit. Da wollte ich aber nicht hin, weil ich wusste, dass ich dort von den Drogen nicht wegkomme also habe ich mich für eine knallharte Therapie entschieden. Aber es war schwer – bis zu einem für mich entscheidenden Tag.

Welcher?

Im Laufe der Therapie wurde auch ein Graffitiwettbewerb durchgeführt. Also nahm ich nach vielen Jahren – ich war mittlerweile Mitte Zwanzig – daran teil. Als ich die Dosen in der Hand hielt, hat sich der Himmel für mich geöffnet. Von diesem Zeitpunkt an hatte ich nur noch den einen Wunsch, ich wollte ein weltberühmter Sprayer werden und machte mich mit Beendigung der Therapie selbstständig.

Das war aber sicher eine gewagte Entscheidung?

Für mich nicht, ich hatte zum einen mein Ziel vor den Augen und zum anderen: Was sollte mir jetzt noch passieren?! Schließlich kam ich ja von ganz unten. Ich hatte nichts zu verlieren und die ersten offiziellen bezahlten Anfragen ließen nicht lange auf sich warten.

Mittlerweile bist du ja in deiner Heimat ein Star. Wie gehst du damit um?

Alle Sachen brauchen ein Maß aber in meiner Heimat ist das schon ein Übermaß. Ich bin froh, dass mich meine Homeboys und meine Partnerin erden.

Wer sind deine Homeboys?

Meine drei/vier Freunde, die mich schon aus Kinderzeiten begleiten und auch in meinen turbulenten Zeiten nicht allein gelassen haben. Ihnen kann ich vertrauen und ebenso meiner Partnerin. Sie bestärkt mich, meinen Weg zu gehen und lässt mir den kompletten Platz und Freiraum den ich brauche. Ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist. Das schätze ich sehr.
Denn bei bei vielen anderen fällt es mir schwer, Freundschaften einzugehen, weil ich nicht weiß, ob es nur der Trubel um meine Person ist. Da bin ich vorsichtig.

Du hast also deine Vergangenheit hinter dich gelassen. Das einzige was du „mitgenommen“ hast, ist dein Künstlername, nicht wahr?!

Genau. BANE erinnert mich daran, diese Dinge nicht zu vergessen. Denn ich habe mein Lektion gelernt. Der Name steht im englischen für Fluch, Ruin und Verderben, was ja meine Vergangenheit kennzeichnet. Zudem heißt eine fiktive Figur in einer Comic-Reihe so. Diese Geschichten handeln von den Taten und Untaten eines südamerikanischen Abenteurers welcher unter dem Decknamen BANE unterwegs ist.

Und wegen deiner Vergangenheit siehst du die Welt auch mit anderen Augen und versuchst immer mehr auf Missstände aufmerksam zu machen, so auch mit deinem aktuellen Projekt. Erzähle uns doch etwas dazu.

Da ich weltweit durch meine Jobs herumkomme, sehe ich auch viel Leid und Elend. Denn ich halte mich in den Ländern ja oft fernab der Touristenmetropolen auf und sehe, was wirklich auf dieser Erde los ist. Deshalb widme ich mich auch immer mehr dem sozialkritischen Malen, gebe Workshops und arbeite mit schwererziehbaren Kindern, denn ich kenne ihre Sprache, ihr Denken und weiß um deren Probleme aus meinen eigenen Erfahrungen.
Aus diesem Erlebten ergab sich für mich ein Challenge, die jetzt klare Formen annimmt. Ich gehe zusammen mit einem Kamerateam und meinem Kollegen PEST nach Tschernobyl und realisiere ein großes Projekt. Dort will ich den Finger in die Wunde legen und direkt in der abgesperrten Zone zum Atomkraftwerk malen. Denn der heutige Kosumwahn trägt dazu bei, dass solche Werke überhaupt gebaut werden. 7 Tage werden wir vor Ort sein und den Katastrophentrouristen mit unserem Projekt die bestehende Problematik vor Augen führen. Am 24. Oktober startet unsere Reise!

Das klingt nach einem gewaltigen Projekt auch in finanzieller Hinsicht.

Stimmt, deshalb haben wir uns auch dahinter geklemmt um private Sponsoren für diese wichtige Sache zu begeistern, was uns auch geglückt ist. Deshalb bin ich auch hier in Meerane, weil es der Auftakt für das Tschernobyl-Projekt ist. Hier haben wir bereits mit dem Filmteam alles besprochen und weitere Schritte auf unserem Weg nach Tschernobyl in die Wege geleitet. Es wird spannend und sicher lehrreich zugleich.

BANE, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen dir für dein Projekt, welches im Oktober in die heiße Phase geht, viel Erfolg.

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